Was ist Krebs?
Der Nobelpreisträger John Michael Bishop hat Krebs als
„Krankheit der Gene“ bezeichnet.
Krebs entsteht in einer einzelnen Zelle aufgrund defekter zellphysiologischer Prozesse, die – das wissen wir heute – genetisch
programmiert sind. Diese Prozesse, die allesamt äußert komplexe Regelnetzwerke darstellen, sind: Zellteilung, programmier-
ter Zelltod, Reaktion auf Wachstumsfaktoren, Blutgefäßneubildung, Zellwanderung und Metastasierung. Fehler in diesen Pro-
zessen führen schrittweise zu Veränderungen, die eine gesunde Zelle in eine Krebszelle umwandeln.
In vielen Fällen handelt es sich hierbei um Proteine, die in einer gesunden Zelle als Enzymeoder Signalgeber fungieren, in der Krebszelle aber überaktiv sind. Die Pharmazeutische
Industrie hat bereits Substanzen entwickelt, die diese fehlerhaften Enzyme und Signal-
geber neutralisieren – ein Ergebnis der weltweiten Grundlagenforschung. Aufgrund der
medikamentösen Behandlung lassen sich heute einige Krebserkrankungen tatsächlich
heilen, in anderen Fällen führen die vorhandenen Medikamente zu einer deutlichen Ver-
besserung der Lebensqualität und Verlängerung der Lebenserwartung.
Aufgrund der Komplexität der fehlprogrammierten Regelnetzwerke und der Vielzahl an
potenziell betroffenen Zellen – Hautzellen, Leberzellen, Darmzellen etc. – unterscheiden
die Wissenschaftler weit über hundert verschiedene Krankheitsbilder, die alle unter dem Begriff "Krebs" zusammengefasst werden. 90 Prozent der malignen, Karzinome genannten Zellneubildungen nehmen ihren Ausgang von epithelialen Zellschichten, das sind äußere und innere Gewebeoberflächen, die mit der Umwelt in Kontakt stehen. Die anderen 10 Prozent der malignen Erkrankungen sind so genannte Sarkome, die sich aus Knochen-, Knorpel-, Muskel oder Bindegewebe ableiten, Leukämien, die aus blutbildenden Zellen entstehen und Lymphome, die sich infolge einer gestörter Entwicklung des Immunsystems ausbilden.
In Zukunft wird die biomedizinische Grundlagenforschung darauf gerichtet sein, die genetischen, molekularen und zellulären Prozesse, die zur einzelnen Krebszelle führen, noch genauer zu verstehen, um auf der Basis hierdurch gewonnener Erkenntnisse den Krebs
- in einem weitaus früheren Stadium als heute möglich zu entdecken,
- auf molekularer und zellulärer Ebene effektiver zu bekämpfen und
- schließlich zu besiegen.
Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema Krebs
Seit wann erkrankt der Mensch an Krebs?
Krebserkrankungen zählen zu den ältesten und somit ersten uns bekannten Störungen und Bedrohungen von Lebensvorgängen in der jüngeren, wohl etwa 200.000-jährigen Geschichte des "modernen Menschen".
Wer erkrankt?
Entgegen landläufiger Vorurteile wird Krebs in den meisten Fällen nicht vererbt. Krebserkrankungen in der Familie müssen also nicht notwendigerweise zu einem erhöhten individuellen Krebsrisiko führen. Sind mehrere Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen von Krebs betroffen, lässt sich dies in vielen Fällen auf den Lebensstil zurückführen, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Zu besonderen Risikogruppen zählen Personen, die z.B. durch bestimmte Viren infiziert oder/und gegenüber krebserzeugenden Stoffen (Asbest, Benzole, radioaktive Substanzen etc.), Tabakrauch oder regelmäßig starkem UV-Licht ausgesetzt sind.
Gibt es eine Krebspersönlichkeit?
Nein, die Krebsforschung konnte die in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren entwickelte Theorie der "Krebspersönlichkeit" nie verifizieren. Sicher gibt es psychische Prädispositionen, die unter Umständen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können; von einer psychogenen „Krebspersönlichkeit" können wir jedoch nicht ausgehen.
Ist Krebs genetisch vorherbestimmt?
Nein, in den meisten Fällen nicht. Krebs ist zwar genetisch bedingt, d.h. er entsteht über eine Reihe von Veränderungen an Genen, und zwar meistens im Kern vermehrungsfähiger Körperzellen, die Krankheit aber wird aus diesem Grund von Generation zu Generation meist nicht vererbt.
Wie lange dauert der Prozess der Krebsentstehung?
Nachdem, was wir heute wissen, können wir sagen, dass der Prozess durchschnittlich etwa 20 Jahre dauert. Wird der Krebs entdeckt, hatte der Krebs bereits Jahre Zeit, sich auszubilden. Die besten Diagnoseverfahren können derzeit eine Tumorgeschwulst im Körper in den meisten Fällen erst aufspüren, wenn sich 100 Millionen oder 1 Milliarde Tumorzellen gebildet haben. Darin liegt das Problem der Diagnostik und Therapie: Die Entdeckung eines Tumors kann meist erst recht spät im Verlauf der Entstehung erfolgen.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Die Risikofaktoren sind hinlänglich bekannt: Rauchen, Trinken, einseitige und nicht ausgewogene Ernährung, zu wenig Bewegung, ungeschütztes Sonnenbaden, bestimmte Viren, Umgang mit gefährlichen chemischen Substanzen etc.
Welchen Einfluss haben Nahrung und Lebensweise?
Nahrung, Ernährung und Lebensweise haben einen nicht zu unterschätzenden, aber noch nicht eindeutig aufgeklärten Einfluss auf die Entstehung und Förderung bestimmter Krebserkrankungen (s.o.).
Gibt es länderspezische Krebserkrankungen?
Ja, die epidemiologische Forschung hat hier hochinteressante Erkenntnisse hervorgebracht ( s.o).
Ist Krebs heilbar?
Ja, in bestimmten Fällen und in nicht sehr weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadien wie z.B. bei Leukämieerkrankungen von Kindern (s.o.).